Alle Ressourcen sind aufgebraucht. Was jetzt?

„Deutschland hat an diesem Mittwoch seine natürlich verfügbaren Ressourcen für 2018 aufgebraucht.“ So simpel und direkt konstatiert es die Tagesschau auf ihrer Webseite. Und doch ist es ein Fakt, den man erst einmal verdauen muss. Man sollte sich die Zeit nehmen, zu begreifen, was das heißt. Eigentlich ist seit diesem Mittwoch, seit dem 2. Mai, nichts mehr da. Alles aufgegessen, abgegrast, verbrannt. Und dann muss man sich die Frage stellen: Auf wessen Kosten leben wir eigentlich? Und will ich daran etwas ändern?

Auch da lässt der Artikel der Tagesschau keine Zweifel offen: „Die Menschen in Deutschland lebten dann für den Rest des Jahres auf Kosten kommender Generationen und der Menschen im Süden“, wird die Organisation Germanwatch zitiert. Auf deren Webseite findet man genauere Informationen zum Thema Ökologischer Fußabdruck. Und die sind in keinster Weise beruhigend. Um es kurz zusammenzufassen: Wir haben nicht nur ein Problem, wir sind das Problem.

Das Problem: Ressourcenverbrauch

Unser CO2-Ausstoß ist vor allem durch Verkehr und Energieversorgung extrem hoch und vor allem konstant. Keine Besserung in Sicht. Wir konsumieren immer noch zu viel Fleisch, wenn auch schon weniger als früher und die industrielle Landwirtschaft belastet die Umwelt durch Düngemittel.

Altmodische Benzinzapfsäule in rostigem Grün vor weißer Mauer, Ressourcenverbrauch

Wenn alle Menschen dieser Erde so leben würden wie wir Deutschen, bräuchten wir drei Erden, um unseren Konsum nachhaltig zu gestalten. Wir haben aber nur eine. Das bedeutet auch, dass wir weltweit seit den siebziger Jahren in einer konstanten Raubbausituation leben. Aktuell verbraucht die Menschheit pro Jahr 1,7 Erden. Wir nehmen uns von der Erde mehr als sie auf Dauer geben kann. Darauf weisen Organisationen wie das Global Footprint Network schon seit Jahren hin. Daten, die die Ausmaße des Problems belegen, gibt es genügend.

Die Veränderung: #wenigerMehr

Anfang des Jahres habe ich meinen ganz eigenen Footprint berechnen lassen und war wirklich deprimiert. Das Ergebnis machte mir deutlich, dass auch ich Teil des Problems bin. Anders als mein sauberes Selbstbild waren die Daten, die der Global Footprint ausspuckte, ziemlich dreckig. Ich habe mir deshalb vorgenommen einiges zu ändern, vornehmlich nichts Neues mehr zu kaufen.

Weitere Probleme: Alltagskonsum

Das mache ich jetzt schon eine ganze Weile. Und wie ich bereits berichtet habe: Es ist gar nicht schwer. Das Problem: Es ist auch nicht genug. Zumindest nicht für mich. Ich habe festgestellt, dass es zwar gut ist, keine neue Kleidung zu kaufen, keine Bücher oder Möbel, aber dass ich dann trotzdem noch mehr als genug Schaden anrichte. Meine Konsumentscheidungen im Alltag wiegen vielleicht sogar schwerer, als das Paar Schuhe das ich mir alle paar Monate kaufen würde. Und meine Gewohnheiten richten wahrscheinlich mehr Schaden an, als ein IKEA-Großeinkauf.

Supermarktauslage Kühlregal mit To Go Nahrungsmitteln, Ressourcenverbrauch

Ein Drittel der weltweit produzierten Nahrung wird verschwendet. Sie wird weggeworfen, geht beim Transport verloren oder gar nicht erst nicht geerntet. Da die meiste Nahrung, die uns erreicht, verpackt wird, produziert unsere Ernährung unheimlich viel Müll. Jeder Deutsche produziert im Schnitt pro Jahr mehr als 200 kg Verpackungsmüll. Im besten Fall wird der Müll kosten- und energieintensiv recycelt. Im schlimmsten Fall landet er als Plastikteppich im Meer, wo Tiere und Pflanzen unter ihm leiden. Und damit letzten Endes auch wir.

Die nächste Veränderung – eine Lösung?

Sicher, ich alleine kann die Welt nicht komplett verändern. Das gibt mir aber nicht das Recht, es nicht zu versuchen. Nach einigem Nachdenken und vor allem Nachlesen habe ich mit dem Verändern bei meinem Alltag angefangen, um noch mehr #wenigerMehr zu leben.

1. Müll

Ich kann zwar die Plastikteppiche nicht aus dem Meer fischen, aber ich kann dafür sorgen, dass ich weniger dazu beitrage. Das heißt zum einen verpackungsfrei einkaufen, zum anderen aber auch Müll einsammeln. Dazu muss ich nicht mal mit Greifzange und Handschuhen losziehen. Beim Spazieren, Joggen, Einkaufen, an der Bushaltestelle und auf dem Parkplatz vor unserem Haus – ich finde fast jeden Tag ein bisschen Müll, den ich einfach bis zum nächsten Mülleimer mitnehme. Und ganz ehrlich: Das gute Gefühl überwiegt den Ekel vorm Müllanfassen deutlich.

2. Regional, Saisonal, Bio

Die Dinge unverpackt zu kaufen, ist schon mal ein guter Anfang. Ich versuche außerdem darauf zu achten, dass mein Obst und Gemüse lokal und saisonal produziert wird. Ich gestehe, dass ich das im Winter nicht zu 100% durchhalte. Das ist in Deutschland wirklich hart. (Zur Information: Saisonal wären im Winter quasi nur einige wenige Kohlsorten, Rüben, sowie Kartoffeln, Äpfel und Birnen aus Lagerung). Der Versuch ist aber, meiner Meinung nach, trotzdem sinnvoll. Allein dadurch, dass man den eigenen Konsum hinterfragt und beobachtet, trifft man bessere Entscheidungen. Wenn man dann zu etwas greift, das einen weiten Transportweg hatte, dann nimmt man vielleicht wenigstens das Bio-Produkt.

Länglicher Korb mit Karotten und Zwiebeln gefüllt auf abgenutztem Holz, Ressourcenverbrauch

3. Hässlich, Matschig, Abgelaufen

Mir ist klar, dass Punkt 2 ein gewisses ökonomisches Kapital voraussetzt. Ich will nicht lügen: Bioprodukte sind natürlich teurer und auch in Unverpackt-Geschäften wird man nicht ausschließlich Schnäppchen landen. Damit mein studentisches Budget trotzdem nicht zu sehr leidet, bediene ich mich auch anderer Möglichkeiten zur Nahrungsbeschaffung. Kräuter, Nüsse und auch Obst kann man beispielsweise an vielen Orten ganz legal einfach selbst pflücken. Auf mundraub.org wurden diese Orte sogar netterweise kartographiert. Ansonsten – etwas weniger legal, dafür mit mehr Adrenalin – kann man natürlich auch containern gehen. Wer dafür zu ängstlich ist (so wie ich), kann auch über Foodsharing-Plattformen an abgelaufene oder unschöne Nahrungsmittel kommen.

4. Radeln für die Wadeln

Das Radfahren ist für mich keine wirkliche Alltagsveränderung gewesen. Ich habe noch nie ein Auto besessen. Außerdem bin ich kein großer Fan von vollgestopften Bussen, da ich bei meiner Körpergröße (siehe: Lieber klein und zackig…) in den Genuss der vollen Dosis Achselschweiß komme. Ich fahre also eigentlich sowieso bei Wind und Wetter Fahrrad. Deshalb habe ich es mir jetzt zur Aufgabe gemacht, den Bockmister gelegentlich aufs Fahrrad zu zwingen. Das klappt insgesamt besser als erwartet, denn auch er hat feststellen müssen: Fahrradfahren macht nicht nur Spaß, in der Stadt ist man damit auch meistens schneller unterwegs. Und sexy Wadeln kriegt man auch.

Fazit: Chancen nutzen.

Ja, für dieses Jahr haben wir bereits alle Ressourcen aufgebraucht. Kein Grund zur Resignation, vielleicht eher ein Weckruf. Schließlich haben wir noch mehr als ein halbes Jahr, in dem wir Entscheidungen treffen können, die für 2018 zählen. Und aller Wahrscheinlichkeit kommt dann ja auch 2019 und eine neue Chance. Vielleicht klingt ja dann der Artikel der Tagesschau nächstes Jahr schon weniger drastisch. Oder er erscheint ein paar Wochen später. Wer weiß?

 

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