Gedanken über das Erwachsensein

Wie alle konnte ich es schon immer kaum erwarten, endlich erwachsen zu sein. Jetzt, mit frischen 26, sollte es doch endlich so weit sein. Näher an der 30 als an der 20 – das ist erwachsen. Oder etwa nicht? Ich fürchte, ich warte immer noch ein bisschen auf den Moment, wo ich endlich wirklich erwachsen bin. Aber, wie fühlt sich das überhaupt an? Was heißt schon erwachsen?

Die Familie

Erwachsen sein heißt, schon im Dezember Dinge in den Kalender für das kommende Jahr eintragen: Hochzeiten, runde Geburtstage, Familienfeiern.

Und bei besagten Anlässen wird man nicht mehr mit „Wow, bist du aber groß geworden“ begrüßt, sondern mit: „Und was willst du damit mal werden?“ Oder noch schlimmer: „Studierst du immer noch?“

Erwachsen sein heißt, dass deine Eltern alt werden, dein Vater ein Hörgerät und deine Mutter eine dicke Brille braucht. Und du gute Nerven, um dir manche ihrer Geschichten zum zehnten Mal anzuhören.

Erwachsen sein heißt aber auch, dass du deine Eltern vermisst, obwohl du sie nicht brauchst. Du kannst inzwischen Glühbirnen wechseln, Wollsocken waschen und wirst mit einer Erkältung alleine fertig.

Der Style

Besagte Wollsocken.

Rückenansicht eines Mannes mit einer Jeansjacke mit dem Aufdruck Born this Way und einem Einhorn. Darumherum Menschen bei einer Parade mit Regenbogenfahnen

Erwachsen sein heißt, dass hohe Schuhe quasi immer angebracht sind und Einhornprints quasi nie. Außer du bist ein Mann. Dann sind weder hohe Schuhe noch Einhornprints je angebracht.

Erwachsen sein heißt, dass Menschen von dir erwarten, dass du Hemden und Blusen bügeln und Krawatten binden kannst. Oder zumindest so aussehen, als ob.

Die Nahrung

Erwachsen sein heißt, dass du wirklich EIN Bier meinst, wenn du sagst ein Bier. Und wenn du mal doch nicht ein Bier meinst, dann bereust du es noch Tage danach, weil du dich fühlst, als hätte dich ein Laster überrollt. Mehrmals.

Erwachsen sein heißt, dir morgens selbst dein Frühstücksei zu machen, nachdem du wie immer von selbst um halb acht aufgewacht bist. Und dabei denkst du natürlich an Loriot (und eventuell Schulz von Thun).

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