#wenigerMehr in Freiburg

Jetzt habe ich schon seit weit über einhundert Tagen nichts Neues gekauft. Fast nichts jedenfalls. Mein Umzug Ende März war eine echte Herausforderung in Sachen #wenigerMehr. Um den Kauf einer Rolle und eines Pinsels zum Streichen kam ich leider nicht herum. Dafür läuft es jetzt in der heimlichen Ökohauptstadt Deutschlands, Freiburg im Breisgau, umso besser mit dem Nichtkaufen. Und das hat mehrere Gründe…

1. 20 m² zum Träumen zu klein

Und vor allem zum Einkaufen. In Freiburg durfte ich bei meinem Bockmister unterkommen, was natürlich total schön ist. Vor allem aber ist es total eng, denn er wohnt in einer insgesamt 39 m² großen Ein-Zimmer-Wohnung. Da ist schlicht und ergreifend kein Platz für Neuanschaffungen. Der Großteil meiner Habe ist in den Keller gewandert. Der Großteil seiner Habe ist genau genommen auch nicht gerade groß. Noch dazu haben wir direkt nach meinem Einzug in einem Anflug von Wahnsinn ein 2000 Teile Puzzle von Schloss Neuschwanstein angefangen, das jetzt den Großteil des Esstischs blockiert. Kurz: Man kommt gar nicht in die Versuchung, noch mehr Gegenstände in die Wohnung zu schaffen. Im Gegenteil: Wir bemühen uns eher auszusortieren, aufzubrauchen und auszulagern. Das hat uns zu 2. gebracht.

2. Der Fairteiler

In wirklich glücklicher Nähe zu unserer Wohnung gibt es ein kleines Gartenhäuschen auf einem Privatgrundstück: Der Fairteiler. Jeder, der etwas hat, was er nicht mehr benötigt, was aber vielleicht für jemand anderen von Nutzen ist, kann es dort hinbringen und sicher unterstellen. Dieser Gedanke allein macht den Fairteiler für mich schon zu einem echten Erfolg: Dinge, die mir eine Last sind, finden so den Weg zu jemandem, der daran Freude hat.

Gartenhäuschen

Doch der Fairteiler ist mehr als das. Er erteilt einem auch harte Lektionen im Bezug auf unser Konsumverhalten, denn viele bringen dort gerettete Lebensmittel aus den umliegenden Supermärkten hin. Oft quillt das kleine Gartenhaus schier über vor lauter weggeworfenem Essen. Vor allem abgepackte Wurst, die das Mindesthaltbarkeitsdatum gerade überschritten hat, findet man dort, aber auch Quark, Joghurt und andere Milchprodukte. Aufbewahrt werden sie in einem Kühlschrank, so dass man die meisten Dinge noch tagelang essen kann. Und genau das ist der Punkt: Die Dinge, die wir wegwerfen, die aus unseren Supermärkten aussortiert werden, sind größtenteils noch essbar. Tagelang.

3. Die Glaskiste

Straße mit Ladenfassade eines Zero Waste Supermarktes bei Sonnenschein in Freiburg im Breisgau

Natürlich gibt es in Freiburg einen Unverpackt Laden. Die Glaskiste liegt super zentral, direkt beim Hauptbahnhof und ist bestens ausgestattet. Wenn man möchte, kann man quasi alles, was man braucht, direkt dort kaufen. Es gibt natürlich alle möglichen Vorratsprodukte: Nüsse, Körner, Nudeln, Bohnen, Müsli, aber auch Kaffee, Kakao und Tee. Noch dazu gibt es eine große Auswahl an Gewürzen, Trockenfrüchten und Samen. Was die Glaskiste anderen Unverpackt Läden voraus hat ist sicherlich die Auswahl an frischen Produkten. Neben Käse, Milch und Joghurt gibt es auch Nussmilch aus dem Glas. Eine kleine Bäckerei ist auch direkt integriert. Vor allem die selbstgebackenen Müsliriegel und Nussecken sind super lecker.

Selbst für Kosmetik, Putz- und Waschmittel ist gesorgt. Die geeigneten Behälter werden gleich mitverkauft, so dass man nach einmaliger Anschaffung ohne Probleme immer wieder auffüllen kann. Für Einsteiger in Sachen Zero Waste bietet die Glaskiste in dieser Hinsicht wirklich alles, was das Herz begehrt. Es gibt Bienenwachstücher, die an Stelle von Alufolie verwendet werden können, Stoffsäckchen, Einmachgläser und Butterbrotdosen aus Edelstahl. Und weil die Glaskiste wohl wirklich am Gemeinwohl interessiert ist, bekommen Studierende am Mittwoch Vormittag 10 % Rabatt auf ihren gesamten Einkauf. Ihr wisst also, wo ihr mich am Mittwoch findet.

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