#wenigerMehr und Zero Waste: vom Scheitern und Weitermachen

Ein Jahr ist eine verdammt lange Zeit. Und zumindest in einem #wenigerMehr-Jahr scheint Zeit tatsächlich auch eine sehr relative Angelegenheit zu sein. Während die ersten Monate wie im Fluge vergingen, werden die dunklen Monate immer länger. Und vor allem schwieriger. Mein Vorsatz, in diesem Jahr nichts Neues zu kaufen, ist ordentlich ins Wanken geraten. So sehr, dass ich am liebsten nicht darüber berichten würde. Ich tue es jetzt trotzdem. Und wenn ich schon dabei bin, mich selbst zu geißeln, berichte ich auch gleich noch, wie schwer das Zero Waste Leben geworden ist. 

 Der Umzug 

Ich hatte ja schon darüber berichtet, dass der Umzug mein Vorhaben (und mich und den Bockmister in Konsequenz) ganz schön auf die Probe gestellt hat. Wir haben zwar glücklicherweise viele gebrauchte Möbel und Haushaltswaren von unseren Familien übernehmen können, der Transport war aber nicht ganz leicht. Ohne finanzielle und physische Hilfe hätten wir das nicht geschafft. Trotz allem gab es dann auch noch genug, was wir anschaffen mussten. Manche Dinge haben wir auch trotz stundenlanger E-Bay Kleinanzeigen Investigativrecherche noch nicht gefunden. So hängen in fast allen Räumen noch kahle Glühbirnen von der Decke. Nicht unbedingt der Minimalismus, den ich mir in meinen Instagram-Träumen vorgestellt habe. Wieder andere Dinge haben wir neu gekauft, weil wir einfach nicht warten konnten. So war das mit der Küche. Sicherlich hätte man mit mehr Geduld auch eine gebrauchte finden können, die genau in unseren schmalen Schlauch von einer Küche gepasst hätte, aber beim Essen hört die Geduld eben auf. 

Drei verschieden geformte Glühbirnen, die an schwarzen Kabeln von der Decke hängen

Überhaupt die Wohnung: Je mehr Platz man hat, desto größer wird das Bedürfnis ihn zu füllen. Ich war so stolz darauf, mit einigen wenigen Kisten nach Berlin gekommen zu sein. Jetzt muss ich andauernd dem Drang widerstehen, kleine Tischchen und Sesselchen oder Teppiche zu kaufen, nur um den Raum zu füllen. Ich bemühe mich sehr, die Leere lieben zu lernen. Wenn das mal wieder nicht so gut klappt kaufe ich bei E-Bay Kleinanzeigen Pflanzen und rede mir ein, dass ich ihnen ja nur ein gutes Zuhause geben will. Die Leere wird also voraussichtlich in einem Jahr einem Dschungel gewichen sein. 

Verschiedene Zimmerpflanzen in einem hellen Raum mit Holzmöbeln

 Der Job 

Natürlich zwingt mir niemand in meinem Job ungehaltenen Konsum auf, aber meine Realität sieht nun eben so aus: Mehr als ein Drittel meines Tages verbringe ich bei der Arbeit. Und ich kann mir nicht aussuchen, welches Drittel. Während meines Studiums konnte ich meine Zeit frei einteilen. Ich konnte am Wochenende arbeiten, unter der Woche einfach mal zum Markt fahren und morgens zum Sport. Vor allem aber konnte ich von Zuhause aus arbeiten und so nebenher vorkochen. Jetzt bin ich froh, wenn ich es schaffe, drei Mal am Tag zu essen und acht Stunden zu schlafen. 

Einkaufsregal voller bunter Süßigkeiten in Plastikverpackungen

Wenn ich einen schlechten Tag habe, kaufe ich mir dann eben Schokolade. Und wenn wir ganz ehrlich sind: Ich kaufe sie auch, wenn der Tag ganz okay war. Unverpackt ist sie nur in den seltensten Fällen. Und wenn das nicht hilft, komme ich auch in Versuchung andere Dinge zu kaufen. Klamotten, Schuhe, was man halt so macht. 

Ich bin stolz darauf, bisher noch nicht eingeknickt zu sein in Sachen Kleidung. Eine neue Sache habe ich mir aber doch gegönnt, als ich zum ersten Mal nach zwei Monaten einen Tag frei hatte. Ich war bei meinem Opa zu Besuch und er hat mir Shopping-Geld mitgegeben. Da habe ich mir eingeredet, ich könnte jetzt nicht mit leeren Händen zurückkommen. Also habe ich mir eine extragroße Brotdose gekauft. Wenn ich es jetzt noch schaffe, die Schokoriegel selbst zu machen und darin mit zur Arbeit zu nehmen, bin ich schon einen großen Schritt weiter. 

 Der Rest 

Ich vergesse immer noch viel zu oft, in Restaurants “aber bitte ohne Strohhalm” zu sagen, wenn ich etwas zu trinken bestelle. Und letztens wurde mir mein Kaffee einfach in einen Pappbecher gefüllt, obwohl ich ihn gar nicht mitnehmen wollte. Außerdem bin ich zu faul, Brotaufstriche selbst zu machen und kaufe sie deshalb im Glas. Auf Butter, Frischkäse und andere verpackte Sünden verzichte ich auch viel zu selten.

Frappuchino in durchsichtigem Glas mit schwarzem Strohhalm auf Kaffeetisch

Ich weiß, dass das nur Kleinigkeiten sind, aber sie frustrieren mich. Und wenn ich frustriert bin, werde ich anfällig für scheinbar einfache Lösungen – zum Beispiel Einwegprodukte. Aber auch schöne IKEA-Werbung oder Notizbücher mit Blumenmustern. Ein echter Teufelskreis. 

Ich versuche dann, inspirierende Blogs zu lesen oder Instagram Accounts anzuschauen, um mich vom Kaufen abzuhalten. Und wenn das nicht hilft, dann erinnere ich mich daran, dass ich allen Menschen in meiner Umgebung als nervige Umwelttante bekannt bin und versuche, diese Rolle nach bestem Wissen und Gewissen zu erfüllen.

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