Zero Waste und Nachhaltigkeit: Meine liebsten Blogger*innen

Über Nachhaltigkeit zu bloggen ist längst keine nischige Angelegenheit mehr. Zero Waste Blogging ist die Mitte eines ganz eigenen Ballsaals geworden. Selbst Blogger*innen, von denen man es kaum glauben kann, gehen plötzlich mit Einkaufsnetz los und Edelstahl-Brotboxen sind das neue Modeaccessoire. Der Trend zur Nachhaltigkeit ist sicherlich kein schlechter. All diese Blogger*innen kreieren schließlich Aufmerksamkeit für eine gute Sache. Anders gesagt: Jede Edelstahlbrotdose vermeidet Müll, wenn sie benutzt wird – egal, aus welchem Grund sie gekauft worden ist. Trotzdem ist es leicht, bei all den neuen und alten Zero Waste und Nachhaltigkeitsblogger*innen den Überblick zu verlieren. Hier stelle ich deshalb die vor, die ich für besonders gut halte.

Louisa Dellert (@louisadellert)

Für jemanden, der sich gerade erst für das Thema zu interessieren beginnt, ist Louisa die perfekte Begleiterin, eben weil sie selbst nicht den Anspruch erhebt, perfekt zu sein. Sie nimmt ihre Follower mit auf den nachhaltigen Weg, den sie selbst beschreiten will, dokumentiert kleine Veränderungen in ihrem Alltag und verheimlicht dabei nicht, dass es Dinge gibt, für die sie noch keine nachhaltige Lösung gefunden hat. Gerade dieses Problembewusstsein und die Offenheit für Diskussionen finde ich sehr hilfreich. Ihr Fokus liegt dabei auf großen Umwelt- und Tierschutzthemen und eben darauf, wie man als einzelner Mensch etwas bewirken kann.

Man fühlt sich nicht schlecht und unzulänglich, wenn man ihre Stories und Blog-Posts verfolgt, sondern wird dazu ermutigt, Dinge zu verändern. Oft gibt sie auch sehr konkrete Anleitungen, wie man Dinge ausprobieren kann. Zum Beispiel findet man bei ihr, die selbst erst seit kurzem umgestiegen ist, vegetarische Rezepte, die sich leicht nachkochen lassen.

Und wenn man Glück hat, kann man sie sogar treffen und gemeinsam mit ihr Müll sammeln gehen. Ich hatte das Vergnügen vor einigen Monaten in Berlin und muss sagen: Sie ist eine echt coole Socke.

Nahaufnahme von drei Metallkleiderbügeln an denen jeweils Shirts in verschiedenen Grautönen hängen

Madeleine Alizadeh (@dariadaria)

Madeleine beschäftigt sich vor allem mit Fast Fashion. Gerade in der Blogger-Branche ist dieses Thema absolut zentral und rückt zum Glück durch Blogger*innen wie Madeleine immer mehr in den Fokus. Früher hat sie selbst als Fashion-Bloggerin Erfahrungen auf der anderen Seite gesammelt – und irgendwann beschlossen, kein Teil dieser Industrie sein zu wollen. Jetzt klärt sie nicht nur über die Probleme von Fast Fashion auf, sondern hat auch selbst eine Modelinie kreiert, die einen Gegenentwurf darstellt.

Bei ihr geht es aber um viel mehr als Mode. Wenn man Madeleine folgt bekommt man neben unheimlich viel gutem Hundecontent vor allem feministische Inhalte. Sie ist politisch engagiert und nimmt sich immer wieder die Zeit, ihre politische Position darzulegen – sehr überzeugend im Übrigen. Mit Tanzeinlagen (vorrangig im Schlafanzug in der Küche), Yogasessions und stilvollen Aktfotos thematisiert sie Bodypositivity und Selbstoptimierung. In Kombination mit ihren unheimlich sensiblen Texten über Zwischenmenschliches und dazu passenden Buchempfehlungen ist ihr Account nachhaltig in jeder Hinsicht. Er bringt zum Nachdenken und regt Veränderung an, vor allem von sich selbst.

Madeleine hat außerdem eine super praktische Link-Liste zusammengestellt, die so ziemlich alles, was man braucht, zusammenstellt. Seit ich versuche, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen, habe ich diese Liste wirklich lieben gelernt.

Eingewecktes Obst und Gemüse in einem Glasbehälter auf einem Küchentuch

Kathrin Kellogg (@going.zero.waste)

Kathrins Going Zero Waste Blog überzeugt allein schon durch ihr kreatives Talent. Dank ihrer Schauspiel- und Gesangsausbildung schafft sie das, was in der Branche gemeinhin als unique content bezeichnet wird. So hat sie zum Beispiel einen einfühlsamen Song über einsame Bananen geschrieben und damit mein Kaufverhalten nachhaltig (!) beeinflusst. Aber auch die Präsentation ihrer meist aus zweiter Hand gekauften Outfits in liebevoll gestalteten Instastories und Fotostrecken erinnert oft an echte Modenshows. Sie ist die Meisterin der überraschenden und trotzdem tragbaren Neukombination der immer gleichen Kleidung und dabei immer ehrlich: Kathrin trägt den gleichen Pulli nicht nur drei Mal, sie trägt ihn sogar drei Tage hintereinander. In der Bloggerszene eine wahre Seltenheit.

Bei Going Zero Waste bekommt man aber nicht nur Tipps für den Kleiderschrank, sondern das Rundumpaket. Es wird gekocht, gebacken, gebastelt, repariert, reduziert und recycelt.

Mein liebster Satz: It’s not about perfection; it’s about making better choices.

Shia Su (@_wastelandrebel_)

Der Name ist Programm auf Shias Blog Wasteland Rebel. Nicht nur ihr Stil, sondern ihre ganze Art sind rebellisch im besten Sinn. Mit beeindruckender Kreativität gelingt es ihr immer wieder aus unserem konsumorientierten System auszubrechen. Man schaut ihr und ihrem Mann Hanno dabei zu, wie sie einen Umzug managen, ohne Müll zu produzieren. Dabei ziehen sie in eine 35 Quadrameter kleine Einzimmerwohnung und schaffen es auch noch, alle Möbel aus zweiter Hand zu erstehen. Das führt nicht nur zu skurillen Bildern mit zwei Meter hohen Pflanzen in der U-Bahn, sondern auch dazu, dass man anfängt, den eigenen Konsum kreativ zu hinterfragen. Gibt es dafür nicht noch eine andere Lösung? Brauche ich das überhaupt? Bei aller Kreativität und Improvisation gehört Shia zu den Blogger*innen, die sich große Mühe in Sachen Recherche und Information geben. Auf ihrem Blog kann man alles genauestens nachlesen: wie man sich die Haare ohne Shampoo wäscht, wie nachhaltig Weihnachtsbäume sind und ob Kleidung recycelt werden kann.

Mein liebster Satz: Es gibt auf der Welt schon mehr als genug Zeugs, wir müssen es nur umverteilen, damit die Sachen dort landen, wo sie gebraucht werden.

Kleiner Junge sitzt auf dreckiger Straße

Olivia Lapierre (@zerowastehabesha)

Olivia zu folgen, ihre Artikel zu lesen und ihre Stories zu schauen ist unbequem. Denn sie geht dahin, wo es wehtut. Sie deckt die Scheinheiligkeit auf, mit der priviligierte, weiße Menschen (wie meine Wenigkeit) den Zero Waste Gedanken als Lifestyle kapitalisiert haben und damit ungerechte, kolonialistische Strukturen fortschreiben. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich noch nie darüber nachgedacht habe, ihr zu entfolgen. Es macht mich wütend, wenn sie meine Gewissheiten und Bemühungen infrage stellt. Aber: Sie hat leider recht. Ich finde, es ist wichtig, sich mit diesen unbequemen Wahrheiten auseinanderzusetzen. Denn es sind nun mal nicht wir, die unter der Vermüllung der Welt und der Ressourcenausbeutung am meisten leiden, sondern (meist nicht-weiße) Menschen in Entwicklungsländern. Außerdem lässt sich nicht leugnen, dass Menschen unterschiedliche Zugänge zu Ressourcen haben. Nicht alle können es sich leisten, in ökologischen Unverpackt Läden Gojibeeren zu kaufen. Olivia kämpft deshalb für „environmental justice“ und gleichzeitig gegen ein rassistisches System, das eben selbst in der ökologischen Revolution noch die vom Kolonialismus geprägten Machtstrukturen reproduziert. Außerdem verlangt sie – zu recht – Anerkennung dafür, dass indigene Bevölkerungen schon lange in sogenannten Zero Waste und Circular Economies leben.

Übrigens: Alle diese Blogger*innen stellen wahnsinnig gut recherchierte, qualitativ hochwertig aufbereitete und kreative Inhalte zur Verfügung. Gratis. Ihr könnt ihnen folgen, ihre Blogs lesen und sie als Ressource für Informationen und Inspirationen nutzen. Ihr könnt ihnen dafür auch Geld zukommen lassen. So wie ihr das bei Buchautor*innen und Journalist*innen sowieso tun würdet.

Meine bisherigen Artikel zum Thema Nachhaltigkeit:

Wir fahren nach Berlin: #wenigerMehr Umzugssünden

#wenigerMehr in Freiburg

Alle Ressourcen sind aufgebraucht. Was jetzt?

Wenigermehr: Eine erste Zwischenbilanz

Wenigermehr: Warum überhaupt?

Gute Vorsätze 2018: Weniger ist mehr. Und nachhaltiger.

 

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