Zum Abschied: Meine Lieblingsorte in Freiburg

Freiburg: die vielleicht schönste, aber mit Sicherheit sonnigste Stadt Deutschlands. Da, wo Jogi Löws Dialekt völlig normal wirkt, genau wie seine Fröhlichkeit. Und wo er trotzdem nicht der gefeiertste Fußballtrainer ist, weil Christian Streich sowas wie ein Stadtheiliger ist. Obwohl ich ganz aus der Nähe komme, durfte ich Freiburg nie länger als ein paar Monate mein Zuhause nennen. Auch jetzt heißt es nach nur einem Vierteljahr schon wieder Abschied nehmen. Lieblingsorte habe ich in dieser kurzen Zeit aber auch schon genügend gefunden – Freiburg macht es einem aber auch leicht.

Gut, dass ich schon einige Lieblingsorte mit #wenigerMehr-Bezug in einem früheren Blog-Post abgehakt habe. So ist hier mehr Platz für weitere Lieblinge.

1. Der Fightclub

Ich weiß, man darf nicht darüber reden, aber ich tue es trotzdem. Der Fightclub Freiburg (und seine Dependance in Emmendingen) ist ein Kampfsportclub und irgendwie viel mehr als das. Die Trainer*innen sind gut ausgebildet, breit gebaut, braun gebrannt und so weiter. Das Angebot ist mindestens genau so breit und reicht von Jiu Jitsu über Boxen, MMA, Kickboxen und Powerboxen zu Power Drills. Was den Fightclub aber auszeichnet, ist die sehr freundliche und offene Stimmung. Jeder ist willkommen und der Club deshalb ein vielleicht repräsentativer Querschnitt durch die Freiburger Bevölkerung.

Diese sehr verschiedenen Leute kommen nicht nur beim Training zusammen, sondern auch beim Grillen, der Weihnachtsfeier, zum Lastertag spielen oder Bouldern und gelegentlich sogar zu verrückten Hindernisläufen oder Triathlons.

Kurz: Das Lächeln und der Bizeps sagen alles.

(Keine Angst, wer neu ist im Fightclub, muss nicht kämpfen. Darf aber, sehr gerne sogar.)

2. Das Blockhaus

Sonntags hat der Fightclub leider geschlossen – es sei den Trainer*innen gegönnt. So kann man die Gelegenheit nutzen und sich anderweitig sportlich betätigen. Zum Beispiel beim Bouldern im Blockhaus Freiburg. Dazu muss man kein völlig waghalsiger, schwindelbefreiter Supermensch sein. Es reicht, sich einfach zu trauen. Die Farbskala hilft dabei, den richtigen Schwierigkeitsgrad zu finden und andere Kletterbegeisterte dabei, den Mut aufzubringen.

Wenn einem dann irgendwann die Arme den Dienst verweigern, kann man sich an der Bar ein kühles Getränk kaufen. Und während man die wunden Hände kühlt, um wenigstens noch für eine Partie Tischkicker bereit zu sein, kann man den Profis dabei zuschauen, wie sie unmögliche Verrenkungen unternehmen, um ihre Körper an unmöglichen Griffen die Wand hochzuhiefen.

3. Harmonie, Friedrichsbau und Kandelhof

Anders als in Konstanz herrscht in Freiburg definitiv kein Mangel an Programmkinos: Mit Harmonie, Friedrichsbau und Kandelhof gibt es gleich drei Spielstätten für Arthouse-Filme, die auch noch sehr zentral gelegen sind. Das liebste davon ist mir die Harmonie. Dort gibt es nämlich eine Auswahl an sauren Zungen, Schlangen, Lakritze und Gummibärchen aus der man sich selbst Naschtüten zusammenstellen kann.

Unser Traditionsspiel: Nach dem Zusammenstellen schätzen alle Beteiligten, wie viel der kariesproduzierende Spaß kostet. Wer am schlechtesten schätzt, muss zahlen.

Achso: Tolle Filme werden natürlich auch gezeigt. Und zwar als Premieren, in Originalfassung… Sogar die Spiele der Fußball-WM werden live übertragen. So funktioniert die Überwindung der Trennung von ernster und unterhaltender Kunst. Nimm das, Adorno.

4. Rose Restaurant

Ganz entgegen meiner Gewohnheit kam das Essen in diesem Beitrag bisher ganz schön kurz. Deshalb jetzt die dringliche Empfehlung, in Freiburg unbedingt der Rose einen Besuch abzustatten. Auch wenn das Restaurant von außen mehr als unscheinbar aussieht (genau genommen sieht es aus wie ein etwas besserer Kiosk): Das Essen ist wirklich lecker. Immer. Ich war schon etwa dreihundert Mal dort. Und das ist nicht übertrieben. Und ich esse seit etwa den letzten einhundert Mal immer dasselbe. Das ist auch nicht übertrieben, sondern die Nummer 41. Eine große Suppe, die ihr Adjektiv verdient, mit gebratener Ente und Reis.

Aber auch alles andere ist wirklich empfehlenswert, vor allem für Studierende. Denn die Rose bietet für ihr Essen einen Studentenrabatt an, so dass man sich für unter acht Euro auf beste Art und Weise satt essen kann. Das einzige Problem: Das tolle Angebot und die gute Qualität haben sich rumgesprochen, so dass manchmal in dem kleinen Verschlag kaum Platz genug für alle Hungrigen ist. Glücklicherweise kann man das Essen aber auch mitnehmen und dann in aller Ruhe daheim genießen.

5. X für U

Laut Wikipedia bedeutet die Redewendung „Ein X für ein U vormachen“ jemanden täuschen oder betrügen. Das passiert einem im Comicbuchladen X für U aber höchstens, wenn man daran vorbeiläuft. Von außen wirkt der Laden nämlich eher unscheinbar und klein. Drinnen eröffnen sich dann aber Welten, sogar Galaxien. Es gibt eine große Auswahl der neusten Comics, Sammlerstücke von alt und abgelesen bis originalverpackt und, was mir persönlich am allerbesten gefällt, toll illustrierte Weltliteratur. Man muss kein stereotyper Comicnerd sein, um sich im X für U wohlzufühlen. Es reicht vollkommen, neugierig zu sein. Worauf der Laden netterweise verzichtet ist billiger Marvel-Merchandise und Plastikspielzeug. Es ist und bleibt bei aller Buntheit eben ein Buchladen. Und das im positivsten Sinne.

6. Café Satz

Allein der Name macht das Café Satz erwähnenswert. Neben all den furchtbaren Friseur- und auch Café-Namen ist das mal ein Beispiel für einen gelungenen Kalauer. Das in Bahnhofsnähe gelegene Café ist aber auch ein wunderbares Beispiel für guten Kaffee. Und das ist schließlich ein nicht ganz unwichtiger Bestandteil eines Cafés. Zum sehr guten Kaffee gibt es dann auch noch sehr guten Kuchen – ein wichtiger Bestandteil für das allgemeine Seelenheil. Und die Sahnehaube auf dem sehr leckeren Kuchen sind dann noch die Bücher, die man im Café Satz nicht nur anschauen, sondern auch kaufen darf.

Ein Besuch im Café Satz ist also schon aus egoistischen Gründen ein Muss. Allerdings ist er auch ethisch empfehlenswert: Das Café Satz gehört nämlich zum gegenüberliegenden S’Einlädele – einem gemeinnützigen SecondHand-Geschäft. Beide Läden unterstützen humanitäre Projekte in der Ukraine und gehören zur evangelischen Stadtmission Freiburg.

7. Der Seepark

Der Seepark ist alles andere als ein Geheimtipp, aber seltsamerweise trotzdem schön. Im Sommer tummeln sich auf den Liegewiesen die Studierenden aus dem nahen Wohnheim. Slacklines hängen zwischen den Bäumen, es wird Wikingerschach (ist das politisch korrekt?) gespielt und natürlich gebadet. Am wohnheimfernen Ufer des Sees treffen sich die Freiburger Familien und Rentner*innen zu Kaffee und Kuchen. Auch die Enten versammeln sich meistens dort, weil die Chancen auf Krümel extrem gut stehen.

Auch wenn das nach einer ziemlich durchschnittlichen städtischen Grünfläche klingt, lohnt sich ein Besuch im Seepark. Die vielen Liebesschlösser auf der Brücke verleiten zu Spekulationen; besagte Brücke ermöglicht einen spannenden Blick auf eine in freier ‚Wild’bahn lebende Schildkrötenkolonie und es gibt sogar einen Turm am Wasser, der romantisch auf dem Level von Romeo und Julia ist (und auch nur ganz selten nach Pipi riecht).

PS: Wer allerdings wirklich als Freiburger*in anerkannt werden will, muss mindestens einmal auf der blauen Brücke am Stühlinger gesessen haben und im besten Fall einen Kaffee aus einem Bambusbecher getrunken haben. Oder wenigstens einen Löschzwerg, den man im Eimer gekauft hat. (Eine legendäre Bahnhofskneipe, die eigentlich einen eigenen Punkt wert wäre, wenn man sich an die Besuche dort denn nur erinnern könnte.)

 

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