Zum Abschied: Meine Lieblingsorte in Konstanz

Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, als ich vor mehr als zwei Jahren nach Konstanz gezogen bin. Nicht viel vermutlich. Das ist auch der Grund, warum ich nicht enttäuscht worden bin. So viel sei gesagt: In Konstanz ist nicht gerade viel los. Es braucht eine Weile, bis man die Orte gefunden hat, für die es sich trotzdem lohnt – zumindest in meinem Fall. Damit die Ankunft für andere etwas einfacher wird, hier meine Lieblingsorte in Konstanz, die noch dazu den Alltag um einiges erleichtern.

1. Der See

Ganz ehrlich: Niemand zieht nach Konstanz, um nach Konstanz zu ziehen. Die Menschen, die begeistert sind vom Leben hier, sind es vor allem wegen des Sees. Und das zurecht. Der Bodensee, wenn er nicht im herbstlichen Nebel versinkt, ist eine wahre Pracht. Besonders schön ist es, an seinem Ufer entlang zu spazieren und das geht quasi überall. Am schönsten finde ich es am Hörnle. Das Hörnle ist ein Freizeitgelände, das im Sommer der Treffpunkt der ganzen Stadt ist. Es gibt dort Beachvolleyball- und Tennisfelder, Trampolins und Spielplätze, Kioske und sogar Schachfelder. Und das beste ist: Es kostet, anders als andere Seebäder, keinen Eintritt. Der Legende nach hat eine reiche Frau der Stadt das Grundstück unter der Bedingung vermacht, das es allen Konstanzer Bürgern als Erholungsgebiet zur Verfügung gestellt wird.

Steinfiguren an Steinstrand aus Froschperspektive aufgenommen. Im Hintergrund See und leicht bewölkter Himmel sowie die Silhouette einer Bergkette

Die Aussicht von dort ist wirklich überwältigend. An perfekten Tagen kann man die Alpen bewundern und hat einen schönen Blick auf die Altstadt. Die Badestellen sind alle wunderbar für Kinder geeignet und auf der Liegewiese gibt es genug schattenspendende Bäume unter denen man so tun kann, als würde man etwas für die Uni tun.

2. SOL

Günstig sind die meisten Restaurants in Konstanz eher nicht. Am Wochenende sind sie noch dazu meist von Gästen aus der Schweiz überlaufen. Ein perfekter Zufluchtsort für echte Konstanzer ist das SOL. Nicht nur, dass es auf der altstadtfernen Rheinseite liegt und deshalb von den Touristenströmen und den Einkaufs-Schweizern verschont bleibt. Es gibt dort auch noch super leckeres veganes Essen zu Studentenpreisen. Die Burger sind fleischlos gut, vor allem wegen der Saucen und es gibt wechselnde Mittagsmenüs. Absolutes Highlight sind allerdings die selbstgemachten Brownies, die locker ein ganzes Essen ersetzen. Alle Gerichte kann man sich auch einpacken lassen, genau so wie die leckeren Smoothies. Das SOL ist auch ein echtes Vorbild in Nachhaltigkeit. Sie bemühen sich um regionale und saisonale Produkte und bieten immer eine vegane Alternative zu allem an.

Schokoladen-Brownie mit Nussstücken auf schwarzem Teller vor schwarzem Hintergrund

3. Heinrich

Auch das Heinrich in der Innenstadt versucht sich in Sachen Nachhaltigkeit. Kaffee wird dort in Tassen aus Kaffeesatz serviert (kein Witz, das geht) und wenn man einen eigenen To Go-Becher mitbringt, gibt es sogar Rabatt. Es gibt aber keinen Grund, einen Kaffee aus dem Heinrich mitzunehmen. Man sollte sich definitiv die Zeit nehmen, ein Stück Kuchen dazu vor Ort zu essen. Der Cheesecake ist himmlisch und groß genug für zwei. Für den weniger süßen Hunger gibt es Teigtaschen in allen Variationen mit jeweils wöchentlich neuen Angeboten. Da es auch noch einige erschwingliche Frühstücksoptionen gibt, kann man quasi den ganzen Tag im Heinrich verbringen, ohne Hunger leiden zu müssen.

Rohe Piroggen auf einer mit Mehl bestäubten Arbeitsfläche. Im Hintergrund ein halbvolles Blech mit Piroggen und ein Nudelholz.

4. Wohnzimmer

Das Wohnzimmer liegt ziemlich versteckt, weit ab vom Zentrum und macht quasi keine Werbung für sich. Hat es aber auch nicht nötig. Es ist der mehr oder weniger geheime Treffpunkt für Konstanzer. Menschen mit Schweizer Akzent werden an der Tür abgewiesen. Werden sie natürlich nicht, aber mit dem altmodischen Schreibpult am Eingang auf dem die Reservierungen ausliegen und der Lage in einem Fabrikgebäude würde so eine exklusive Einlasspraxis irgendwie gut zusammenpassen. Im Wohnzimmer kann man hervorragende Burger genießen, die kreativ und – passend zum Ambiente – mysteriös benannt werden. So hat man zum Beispiel die Wahl zwischen dem Paten und dem Goatfather oder kann sich, wenn man es scharf mag, an einen Mexican Stand Off wagen. Dazu gibt es äußerst elegant servierte und gut zubereitete Cocktails, die allerdings mafiöse Preise haben. Einen sollte man trotzdem bestellen, wenigstens fürs perfekte Feeling. Denn das Wohnzimmer mit seinen Polstermöbeln, den Kronleuchtern und dem seltsamen Kontrast der Lagerhalle voller Autos hinter der Glasscheibe ist in jedem Fall ein sehr atmosphärischer Ort. Und bevor ich es vergesse: Die Süßkartoffelpommes sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen!

Burger mit viel Käse auf Kermaikteller vor dunklem Hintergrund

5. Zebra Kino

Die vielleicht traurigste Episode in Sachen Stadtgestaltung, die ich in meinen Jahren in Konstanz miterleben musste, war die Schließung des Scala Kinos in der Innenstadt. Das Scala Kino war das einzige ‚richtige‘ Programmkino in Konstanz. Ersetzt wurde es durch einen DM. Den zweiten in der Straße. Danke, Gentrifizierung. Jetzt gibt es nur noch einen Raum im hässlichen Multiplexkino, der alibimäßig gelegentlich Arthouse-Filme zeigt. Meine Wut war groß, nur noch überschattet von der Trauer. Als ich mich einigermaßen erholt hatte und wieder Lust auf Filme in dieser von der Kulturindustrie zerstörten Welt hatte, habe ich das Zebra Kino für mich entdeckt.

Altmodischer Projektor in dessen Lichtkegel sich Nebel bildet

Das Zebra Kino ist ein echter Rebell, ein Underdog der Kinolandschaft. In einer alten Kaserne, die heute als Wohnheim dient, nimmt es ein Stockwerk ein und hat das beste aus den Gegebenheiten gemacht. Es gibt einen relativ großen Kinosaal, in dem immer etwas los ist. Dank der freien Platzwahl sind die meisten Leute deutlich vor Vorstellungsbeginn da und es gibt oft kleine Quiz, Gewinnspiele oder sonstige Gimmicks, die den Kinobesuch zu einem echten Erlebnis machen. Getränke und Snacks gibt es an der Bar zu wirklich studentischen Preisen. Die Filme, die gezeigt werden, decken so ziemlich alles ab: Vom Oscar-Kandidaten bis zum trashigen Chuck Norris-Film, von Horror- bis Queerfilmabende gibt es alles was das Cineasten-Herz begehrt (sogar eine Sneak Preview in OmU). Und weil noch dazu der Eintritt günstig ist (besonders für Studierende), kann man sich auch wirklich alles ansehen.

6. Unverpackt Laden

Ball Mason Jars in verschiedenen Größen mit verschiedenen Samen und Körnern

Dass es in Konstanz einen Unverpackt Laden geben könnte, hatte ich zu Beginn meiner Zeit hier gar nicht in Erwägung gezogen. In so einer kleinen Stadt, die nicht Freiburg ist, schien es einfach keinen Markt dafür zu geben. Gut, als ich 2015 hier hergezogen bin, gab es auch tatsächlich noch keinen Unverpackt Laden. Inzwischen aber schon. Und der ist klein, aber oho. Das Sortiment wächst gefühlt täglich und umfasst inzwischen neben Lebensmitteln auch Hygieneartikel und einige Zero Waste Utensilien. Preislich liegt alles meist unter dem Supermarktstandard. Vor allem Luxusgüter wie Datteln oder in Schokolade getauchte Trockenfrüchte sind sehr erschwinglich. Und natürlich sehr lecker. Wie gut, dass man sich im Laden auch Gläser leihen kann, für den Fall, dass man einen neuen Schatz entdeckt, der nicht auf der Einkaufsliste stand und für den man deshalb keinen Behälter dabei hat.

7. Wochenmarkt

Für alles, was man im Unverpackt Laden nicht bekommt, bietet sich der Wochenmarkt am Sankt-Gebhard-Platz oder am Sankt-Stephans-Platz an. Ersterer findet immer mittwochs und samstags statt, letzterer dienstags und freitags. Alle Marktanbieter, die ich gefragt habe, sind mehr als gewillt, ihre Produkte in mitgebrachte Behältnisse zu packen. Manche Verkäufer weisen sogar ausdrücklich darauf hin, dass sie das bevorzugen. Der Obstverkäufer bietet einem zum Beispiel immer einen Korb an, in den man das Obst vorm Wiegen füllt. Danach kann man es einfach in die eigene Tasche kippen. Bei Humbert kann man sich leckere selbstgemachte Frischkäsecremes direkt in die eigene Tupperdose packen lassen (ich empfehle: Sommertraum mit Mango und Chilli). Auch sämtliche Milchprodukte werden an einigen Ständen in Gläsern verkauft, die man am nächsten Markttag einfach wieder eintauschen kann.

Wochenmarktauslage mit Paprika, Brokkoli, Blumenkohl, gelben und grünen Zuccinis, Staudensellerie und Cocktailtomaten

Der größte Vorteil eines Markteinkaufs ist aber mit Sicherheit der Kontakt, der entsteht. Die Marktleute sind sehr freundlich und immer gewillt, etwas zu erklären oder Koch-Tipps zu geben. Ich habe von Gemüseverkäufer*Innen in den letzten zwei Jahren so viele hilfreiche Hinweise erhalten und dank ihrer Freundlichkeit viele neue Sorten und Zubereitungsarten kennengelernt (meine absoluten Favoriten: Butterrüben und Radieschenblätter als Salat).

Katamaran beim Überqueren des Bodensees von der Brüstung einer anderen Fähre aus fotografiert

PS: Immer unbedingt Konschdanz sagen, nicht Konstanz (mit nordisch-pikiert getrenntem s und t), sonst wird man sofort als Zugezogener enttarnt und ungefähr so gut behandelt wie die Schwaben in Berlin. Letzeres wird dann bald mein Problem. Falls also irgendjemand Tipps hat, wie ich als Berlinerin durchgehe (oder zumindest nicht für eine Schwäbin gehalten werde), immer her damit.

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