Die ultimative History of Rap: Part 1

Rap wird dieses Jahr 40 Jahre alt. Ganz schön alt für eine Jugendkultur. Sogar alt genug, um aus der Zeitgeschichte in die Neueste Geschichte gewandert zu sein. In den vergangenen Jahren gab es schon einige Versuche einer History of Rap. Die bekanntesten stammen wohl von Jimmy Fallon und Justin Timberlake sowie ihren deutschen Alter Egos Jan Böhmermann und Dendemann. Hier folgt nun ein weiterer, schriftlicher und chronologischer – aufgeteilt in Dekaden.

1979 The Sugar Hill Gang – Rapper’s Delight

Gemeinhin gilt „Rapper’s Delight“ als der erste Rap der Welt, zumindest der erste kommerziell verwertete. Natürlich hatte es in den 70er Jahren schon tausende Rapsongs gegeben, die – spontan oder geprobt – auf Blockpartys in der Bronx performt worden waren, aber eben nicht im Fernsehen. „Rapper’s Delight“ zeigt in jedem Fall, dass Rap mit Disco enger verbunden ist, als es vielen Rappern heute wahrscheinlich lieb ist. Trotz seiner etwas eigenwilligen Tanzmoves und Reime („Well, I’m Imp the Dimp, the ladies‘ pimp / The women fight for my delight“) hatte „Rapper’s Delight“ einen großen Einfluss auf die Zukunft von Rap. Bis heute wurde er über 200 Mal gesampelt. Das erste und furchtbarste Mal aber hier:

1980 GLS-United – Rapper’s Deutsch


Traurig, aber wahr: Das ist vermutlich der erste Rap in deutscher Sprache. Ich sehne mich zurück in die Zeit, als ich noch glaubte, Torch habe Deutschrap erfunden. Leider gebühren die Lorbeeren Thomas Gottschalk und Konsorten. Ihnen ist es aber wohl auch zu verdanken, dass danach ein Jahrzehnt vergeht, bis es wieder jemand wagt, auf Deutsch zu rappen. In Szenekreisen gilt es übrigens als Mutprobe, das Stück einmal ganz zu hören – ich habe sie bis heute noch nicht bestanden.

1981 Grandmaster Flash & The Furious Five – Adventures of Grandmaster Flash on Wheels of Steel 

Die „Adventures of Grandmaster Flash on Wheels of Steel“ ist im engeren Singe kein Rap – auf dem Track wird schließlich nicht gerappt. Trotzdem ist er ein Meilenstein der HipHop-Geschichte, denn er ist eine Live-Aufnahme, die das Mixen von mehreren Songs an drei Turntables zeigt. Es wird gescratcht, gecuttet, überblendet und Queens „Another One Bites the Dust“ unterlegt alles. Dr. Dre gibt gerne an, dass dieser Song ihn stark beeinflusst hat. Wir haben ihm also viel zu verdanken.

1982 Afrika Bambaataa & The Soulsonic Force – Planet Rock

Deutschrap war in den 80ern zwar keine Option, deutsche Musik aber schon. Afrika Bambaataa, Raplegende und Begründer der mystischen Zulu Nation, sampelte in diesem Song Kraftwerk. Damit legte er den Grundstein für die Techno-isierung des HipHop und des Abendlandes und all der Auswüchse, die das noch nehmen würde (u.a. – wir erinnern uns mit Schrecken – Eurodance).

1983 Run-D.M.C – It’s Like That

„It’s Like That“ markiert nicht nur den Beginn der Karriere von Run-D.M.C, sondern auch den Anbruch einer neuen Ära. Künstler mit minimalistischen, elektronisch inspirierten Sounds und einem Vorgeschmack von Ghetto-Image übernehmen das Ruder. Run-D.M.C sind Teil davon und landen in der Folge weitere Smashhits (wie „Walk This Way“), die es bis auf die 80er Partys landauf und landab und auf H&M Shirts geschafft haben. Beides eine eher zweifelhafte Ehre.

1984 Herbert Grönemeyer – Männer

Das mag jetzt erstmal weit hergeholt wirken. Und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich die Qual der Wahl zwischen unglaublich vielen super relevanten Rap-Songs aus dem Jahr 1984 gehabt hätte. Trotzdem: Herbert Grönemeyer hat irgendwie einen Platz in der Geschichte von (Deutsch)Rap verdient. Ihm ist es gelungen, deutsche Texte zu schreiben, die nicht nach Schlager klangen. Er hat schon in den 80ern gezeigt, dass die deutsche Sprache flowen kann, ungezwungen und irgendwie poetisch klingen kann. Seine harte, abgehackte Aussprache gibt dem Ganzen dann auch etwas, was man wirklich als Sprechgesang bezeichnen könnte. Und seine Zwischen-ähs sind irgendwie doch auch Vorläufer der Adlibs von Daddy Yankee, Sean Paul und Co.

1985 Falco – Rock Me Amadeus

Wenn ich schon von Vorreitern des Deutschraps spreche: Falco. Gerade bei „Rock Me Amadeus“ kann man wirklich schon von Rap sprechen. Falco rhythmisiert den Synthesizerbeat mit seiner Stimme durch. Der Text reimt sich nicht nur nach einem einfachen Paarreim-Schema, sondern arbeitet mit Gleichlauten und Kreuzreimen. On top: Anglizismen. Noch dazu ist „Rock Me Amadeus“ der bisher einzige deutschsprachige Song, der es an die Spitze der US- und der UK-Charts geschafft hat. Die street credibility spricht also für ihn.

1986 Salt-N-Pepa – Push It

Von wegen Rap war oder ist Männersache. Frauen haben von Anfang an mitgemischt. Nicht als schmückendes Beiwerk, sondern als Rapperinnen. Salt-N-Pepa liefern mit „Push It“ den vielleicht ersten sexuell expliziten Rap-Hit der Geschichte ab. Am Dj-Pult ebenfalls eine Frau, Männer dürfen als schwarz gekleidete Backgroundtänzer eine gute Figur machen. Könnte man sich direkt dran gewöhnen.

1987 Beastie Boys – (You) Gotta Fight For Your Right (To Party)

Rap war auch relativ früh keine rein afroamerikanische Angelegenheit. Die Beastie Boys gehören zu den frühen weißen Rappern, sind die ersten, die kommerziell erfolgreich sind. Und gleichzeitig begründen sie eine Art eigenes Genre, indem sie Rap vermehrt mit Rock mischen und weniger mit Disco-Sounds. Sehr weiß das ganze. Aber auch sehr geil.

1988 N.W.A. – Straight Outta Compton

N.W.A. ist eine der Crews, die in keinem Rückblick fehlen kann. Ihr Song „Straight Outta Compton“ und der Nachfolge-Track „Fuck Tha Police“ begründeten das Genre Gangsta-Rap, das heute das kommerziell erfolgreichste Rap-Genre überhaupt ist. N.W.A. sprachen unverblümt (heißt: mit vielen Schimpfwörtern) über ihre Lebenserfahrung in den Ghettos von Los Angeles. Sie prangerten Polizeigewalt an, rappten über Drogen und Gewalt. Vor allem aber lebten sie, was sie rappten: Ihre Texte, sie selbst, alles, was sie verkörperten kam „Straight Outta Compton“. Streitigkeiten und der frühe Tod von Crew-Mitglied Eazy-E beendeten die Karriere von N.W.A. frühzeitig. Ice Cube und Dr. Dre bauten sich aber danach Solo-Karrieren auf, die für sich genommen auch wieder Rap-Geschichte schrieben. Mehr dazu später.

1989 Public Enemy – Fight the Power

Es ist schon traurig, dass Flavor Flav meiner Generation vor allem als liebestoller Bachelor in Erinnerung geblieben ist. Als Jugendliche habe ich mich immer gefragt, woher man den eigentlich kennen soll. Daher: Flavor Flav war ein Teil der Rap-Crew Public Enemy, die quasi als Antithese zu N.W.A. fungierte. Zu der Zeit als N.W.A. ihrer Aggression destruktiv freien Lauf ließen, versuchten Public Enemy diese Frustration und Wut politisch nutzbar zu machen. Die politischen Texte von Public Enemy sollten HipHop nachhaltig verändern. Sie zählen zu den Gründungsvätern des bis heute einflussreichen Genres Conscious-Rap.

Hier geht’s zu Teil 2 der History of Rap.

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