A Portrait of the Fan as a Young Woman

Am Anfang war das Wort, auch wenn Faust damit bekanntlich so einige Probleme hatte. An meinem Anfang war jedenfalls ganz sicher das Wort. Mein allererstes war meiner Mama zufolge „heureux“. Ich glaube, eventuell überschätzt sie da den Einfluss unserer latent bilingualen Familie und hat einen Rülpser missinterpretiert. So oder so: Ich habe früh angefangen zu sprechen, zu schreiben und (zu mancher Leute Ungemach) nie wieder aufgehört.

Vor allem aber habe ich angefangen zu lesen. „Mio mein Mio“ von Astrid Lindgren war eines meiner ersten Lieblingsbücher. Die Geschichte von zwei Brüdern, die sich im Kampf gegen das Böse wiederfinden – der Hang zum Epischen war mir wohl schon früh nah. Kein Wunder also, dass ich später gebannt war von dem griechischen Sagenschatz, der bei uns im Wohnzimmer stand. Die erste Geschichte darin war die von Prometheus. Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt jemals eine andere wirklich zu Ende gelesen habe, aber die vom anmaßenden Menschen, der mit einem Leber hackenden Adler bestraft wird, hat mich – auch aufgrund der bildlichen Darstellung – fasziniert. Vielleicht deutet sich auch da schon meine Vorliebe für Leberhaken an, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Pubertierenderweise begann ich mich dann natürlich für Liebesgeschichten zu interessieren. Marcel Prousts „Eine Liebe Swanns“ oder Jane Austens „Stolz und Vorurteil“. Feministische Literatur war mir damals noch fern und die Hoffnung auf einen berittenen Prinzen noch groß. Einen Prinzen habe ich dann auch gefunden und das war dann der Anfang dieser Geschichte:

Prinz Pi, meine erste Liebe

Ich weiß nicht mehr, wer mir seine Musik gezeigt hat. Ich weiß nur, dass der Erfolg dieser Begegnung nicht unbedingt garantiert war. Ich war eher mit den Ärzten sozialisiert, hörte gerne Indie-Rock und liebte Musicals und Jazzdance. Falls ich jemals für einen Gala-lesenden Teil der Bevölkerung relevant werden sollte, tauchen da bestimmt einige interessante Videos auf. Wie das aber nun so ist, mit 15 oder 16: Ich lernte die ‚falschen‘ Leute kennen und die zeigten mir neben Deichkind (fand ich ganz amüsant), Blumentopf und Clueso (Ist das Rap oder kann das weg?) eben auch Prinz Pi. Seine Geschichten waren der pathetische Jugendschrein, den ich mir für die Liebe zum Wort, zum Epos und natürlich für die ersten halbstarken Lieben überhaupt baute.

Die Beats waren zugänglich genug, um einen Rap-Neuling wie mich nicht zu verscheuchen – zum Glück. Besonders Songs mit Gitarren, Klavier und Geigen (Pathos, Pathos, Pathos) gefielen mir. Zwar konnte man zu Prinz Pis „Neopunk“ natürlich auch feiern, ich heulte aber insgesamt lieber zu „Dunkle Sonne“, „Elfenbeinturm“ und wollte in mir selbst „Das Mädchen vom Werbeplakat“ sehen (ich habe mir sogar einen grauen Nikita-Kapuzenpullover gekauft).

K.I.Z., ein geiles Saustück

Den Pullover habe ich irgendwann auf irgendeiner Party liegengelassen und mit spätestens 17 war mir auch klar, dass ich weder eine Idee, noch eine Fee sein will. Ich beschloss, dass ein „Böhses Mädchen“ wohl doch besser zu mir passt. Den Jazz Dance hatte ich inzwischen immerhin auch schon gegen HipHop eingetauscht, mehr street credibility konnte man in meiner Heimatstadt mit ihren 13.000 Einwohnern nicht erlangen. Natürlich waren mit den falschen Leuten auch die falschen Substanzen in meine Hände gekommen und ich lebte mehr als den gelegentlichen Jugendexzess. „Sexismus gegen Rechts“ fiel 2009 bei mir also auf sehr fruchtbaren Boden. Natürlich hatte ich eine illegal erworbene Version auf meinem Rechner und habe erst Jahre später erfahren, dass eigentlich nicht jeder Song mit „Ich bin ein Schwuli auf den Arsch tätowiert“ beginnt. Sachen gibt’s.

Im Sommer 2009 war mir das allerdings noch nicht klar und ehrlich gesagt auch egal. Von morgens bis abends pumpte ich K.I.Z., oder eher von nachmittags bis mitten in die Nacht – vor 14 Uhr stand ich selten auf. Es wurde viel geraucht, getrunken und selbstverständlich gepogt. Ich denke, der Sommer 2009 war eventuell das, was man den Sommer seines Lebens nennt. Und den Soundtrack dazu lieferte K.I.Z – vielleicht nicht so romantisch wie Kid Rock, aber durchaus passend, fand ich damals. Und heute auch noch.

Maeckes, doch die Welt ist schlecht

Beim Sau rauslassen und Fehler machen trampelte ich auf einigen Herzen rum und im Gegenzug wurde auch auf meinem ordentlich getrampelt. Ich weiß noch, dass ich damals dachte, das wird nie wieder gut. Jedenfalls wollte ich nichts mehr von der ersten Liebe oder Halbstarken hören und verzog mich in die Geborgenheit von Indie-Rock. Als ich die Angelegenheit Rap schon quasi zu den Akten gelegt hatte, traf ich dann einen Menschen, der die Archivierung verhinderte. Natürlich traf ich nicht Maeckes (das passierte erst später – sehr alkoholschwangere, peinliche Angelegenheit), aber ich traf Erik. Und sieh an, Erik war ein HipHop-Fan.

Mit Maeckes und dank Erik begann ein neues Kapitel in Sachen Pathos. Das bisherige Level wurde locker um ein vielfaches übertroffen. Maeckes hat mich sehen, hören und spüren lassen, dass die Welt schlecht ist, oder eben doch nicht. Vielleicht am ehesten die beste aller möglichen schlechten Welten. Jedenfalls: Maeckes‘ Welt. Sicherlich wird er mir da nicht unbedingt zustimmen, aber für mein Empfinden sind Maeckes und ich gemeinsam erwachsen geworden. Wir haben Liebe zum Loop eines DVD-Menüs gemacht, uns als Versager frei gefühlt und vor nicht all zu langer Zeit sind wir aus dem Marie-Byrd-Land zurückgekehrt. Ich bin gespannt, wo unsere Reise noch so hinführt und wie er seinen Platz neben allen weiteren pathetischen Rap-Lieben behauptet. Aktuell ist er noch unangefochten der Bewacher meines Olymps und hat mit seiner Pistole alles im Blick und Griff.

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