Sommerhits 2018: Rapedition

Sommerhits sind eine heikle Angelegenheit. Selbst, wenn man sie feiert, spätestens Ende Juli hat man dann doch langsam die Schnauze voll. Spätestens. Denn die meisten sind so einfach gestrickt  (inhaltlich wie musikalisch), dass man sie nach dem dritten Mal bereits mitsingen und nach dem zehnten Mal nicht mehr hören kann. Nur dummerweise scheinen das Radiosender und DJs nicht mitzubekommen und spielen deshalb noch bis Mitte September „Despacito“ und „Señorita“ von Pietro Lombardi und Kay One im Wechsel. (Alptraum. Die beiden sind für mich die schlimmsten Serientäter in Sachen schlechter Musik. Direkt nach Summer Cem und KC Rebell.) Um einer derartigen Übersättigung mit schlechter Musik vorzubeugen und weitere eingeklammerte Wutausbrüche zu verhindern, hier eine Liste voller Sommerhits, die es bis in den Herbst schaffen.

1. Cardi B feat. Bad Bunny & J Balvin – I Like It

2018 ist ihr Jahr. Cardi Bs Debütalbum Invasion of Privacy hat sie direkt an die Spitze der US-Charts katapultiert und als ernstzunehmende Rapperin etabliert. Keine Rede mehr davon, dass sie zunächst als Reality-TV Darstellerin bekannt wurde. Cardi B ist der neue Stern am Raphimmel und die erste Rapperin seit Fugees-Legende Lauryn Hill, die mit einer Solo-Single die Spitze der Billboard Charts erreicht hat. Ihr Feature „I Like It“ mit seinem lateinamerikanisch insipirierten Beat und den spanischen Parts könnte der nächste große Sprung der New Yorkerin werden. So oder so ist es für mich schon jetzt der Sommerhit 2018.

2. Kaas – Gute Nachrichten

Niemand verkörpert Entspannung und gute Laune besser als Kaas, seines Zeichens ein Viertel der (für mich legendären) Orsons und mindestens die Hälfte ihres Spirits. Manche bezeichnen seine repetitiv angelegten Songs über die Sonne und das Lächeln als nervtötend, ich hingegen finde sie großartig. Mit Kaas, dessen EP passenderweise Zucker betitelt ist, kann man sich in regelrechte Gute-Laune-Ekstasen meditieren. Und das zu jeder Uhrzeit. Beispielsweise auch um 5:55 am zum Sonnenaufgang.

3. Left Boy – 17

Wenn ich mich entscheiden müsste, welchen Künstler ich für den Rest meiner Sommer hören müsste, dann wäre es vermutlich Left Boy. Seine Diskographie ist voller Sommerhits, die nahtlos alle Übergänge zwischen Strandtag, Party, Sex und dem Morgen danach inklusive Kater füllen. Und das auf immer extrem guten Samples von Radiohead bis Fluch der Karibik. Kein Wunder also, dass ich ihn schon im „Rap und Liebe“ Post abgefeiert habe. Gewöhnt euch dran. Kommt sicher noch öfter vor.

4. Felly feat. Casper & Ahzumjot – Imbrahimovic (Prod. by Drunken Masters)

Zur WM braucht es natürlich einen Fußballhit. Und um furchtbare Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen (again: Kay One. 2010 verbrach er mit Bushido „Fackeln im Wind“), schlage ich vor, dass wir alle einfach Ibrahimovic feiern. Also den Fußballer und den Song. Sicher wird das schwierig, wenn wir gleich in der Vorrunde auf die Schweden treffen, aber bei aller Konkurrenz muss man doch neidlos anerkennen: Zlatan ist eine Legende. Und wenn wir ehrlich sind, sind wir verdammt froh, dass er nicht mitspielt. Von wegen „Volley in die Fresse rein“ und so.

5. Mavi Phoenix – Yellow

Was könnte die Liste besser beschließen, als eine Ode an die Farbe des Sommers. Wenn man Mavi Phoenix‘ Autotune-Poesie hört, ist es fast, als könne man die Sonnencrème riechen. Die Österreicherin pflegt einen sehr eigenwilligen Stil – irgendwo zwischen Trash und Genie, aber weit entfernt von Cloudrap. Sie mischt R&B mit Trap und kreiert so eingängige, aber nicht aufdringliche Songs. Sommerhits eben. Sogar das ZEIT-Magazin adelte sie schon mit einem Beitrag. Kein Wunder, denn (in ihren eigenen Worten): „They know I’m an aventura / They know ain’t nobody truer.“

 

PS: Wer den zu jeder Jahreszeit heißen Scheiß des Jahres 2018 hören möchte, dem sei meine Spotify-Playliste mit wöchentlichen Updates empfohlen.

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