Spürst du dieses Kribbeln im Bauch? Rap und Liebe.

Bei Rap denken die meisten an Weed, Yayo, Hasch und die Patte, beziehungsweise das Schnapp oder Para, das schwer bewaffnete und tätowierte Rapper damit machen. Aber in jedem Rapper steckt auch ein echter Romantiker. Jedes kraftprotzende Machoalbum mit einer nackten Frau als Dekoration auf dem Cover enthält auch einen Lovesong. Und passend zum Valentinstag findet ihr hier meine ganz persönliche Hitlist zum Thema Rap und Liebe.

Maeckes -Fräulein Bird

Maeckes zelebriert in diesem Song die deliriumartige, post-Rausch Verliebtheit, die sich vor allem in der Kennenlernphase einer Beziehung einstellt. Nicht ganz nüchtern, aber trotzdem distanziert und ehrlich ist diese Ode an eine nicht mehr ganz Unbekannte einer der schönsten Songs zum Thema Liebe, die Maeckes hervorgebracht hat. (Das ist deshalb ein starkes Kompliment, weil er unfassbar viele, unfassbar gute Songs zu den Themen Liebe und Beziehung geschrieben hat. Zum Beispiel Copy and Paste Love, Der kürzeste Weg zum Glück, Marie-Byrd-Land und natürlich diverse Versionen von UnperfektLeider handeln die hauptsächlich von Trennungen, weswegen mein Lebensziel lange war, ihn glücklich zu machen. Das hat inzwischen eine andere Frau geschafft. Ist auch okay.)

Errdeka – Romeo

Sicherlich, bei diesem Song kann man sich darüber streiten, wo denn nun genau Rap aufhört und Pop anfängt. Aber grundsätzlich ist Errdeka nun mal ein Rapper. Kein herausragend guter, meiner Meinung nach, aber auch noch ein sehr junger. In diesem Sinne: Was nicht ist, kann ja noch werden. Den Grundstein dafür hat er auf jeden Fall schon gelegt mit einigen sehr guten Songs (Stroboskop). Mein persönliches Highlight war aber dieser Falco-inspirierte, hingerotzte Lovesong. Mit seinem Minimalismus stellt er ausgeklügelte romantische Epen in den Schatten. Denn es gibt vielleicht keine größere Kunst, als ein so oft erzähltes Gefühl wie die Liebe in neue, unverbrauchte und doch wenige, ungezwungene Worte zu fassen.

Prinz Pi – Du bist

Auch wenn Prinz Pi mein musikalisches Lost-Erlebnis ist, muss ich – nicht ganz neidlos – anerkennen: Ich kenne kaum jemanden, der so viele gute Worte gefunden hat. (Und leider auch nachdem er keine mehr gefunden hat, noch zwei weitere Alben veröffentlicht hat. Das ist das Lost-Erlebnis: Etwas startet unheimlich vielversprechend, zieht einen in seinen Bann und am Ende waren alle die ganze Zeit tot und nichts muss deshalb aufgelöst werden. Wie gerne ich die Lebenszeit wieder hätte, die ich mit Lost-Schauen verschwendet habe.) Dementsprechend fiel mir auch die Auswahl eines Songs für diese Liste schwer. Ich hätte genau so gut Das Mädchen vom Werbeplakat wählen können mit seinem urbanen Pathos. Oder natürlich Laura, der vielleicht traurigste Lovesong der Welt (die Tatsache, dass er an eine Laura gerichtet ist, beeinträchtigt mein Urteil in keinster Weise). Noch länger als die Liste der Lovesongs ist die Liste der unfassbar guten Herzschmerzsongs, die Prinz Pi sich abgerungen hat. Die würden aber an dieser Stelle die Stimmung verderben und mich in die Abwärtsspirale meiner Enttäuschung treiben. Die lege ich vielleicht besser an einem weniger romantischen Tag dar.

Macklemore & Ryan Lewis (feat. Ryan Bedard) – Spoons

Die meisten Liebeslieder besingen das erste Treffen, den ersten Kuss, die erste gemeinsame Nacht oder alternativ den letzten Blick in die Augen. Warum bloß fallen so wenigen Menschen gute Dinge über die solide Mitte einer Beziehung ein? Klar, Romantik und Aufregung sind im Alltag schwer zu finden, aber wenn man genau hinsieht, findet man schon einiges. Macklemore rappt genau darüber in Spoons. Über die relative Sexlosigkeit in Langzeitbeziehungen, die einer bequemen Ehrlichkeit gewichen ist. Niemand muss sich mehr verstellen und man kann ganz entspannt auch mal pupsen. Oder wie Max Frisch so schön sagte: „Sie verstanden einander trefflich. Nur war der Rausch eben verrauscht.“ Wenn das keine wahre Romantik ist…

Left Boy (feat. Mirakle) – Video Games

Samplingtechnisch hat Left Boy das, was Cro populär machte, zur Perfektion gebracht: die relativ eindeutige Zitation eines bekannten Songs (in diesem Fall: Lana Del Reys Video Games) und seine kreative Umdeutung. Aus der Ballade wird, ohne Kitsch und Ironie, ein Rap über die schönen Seiten der Liebe und die darunter schwelenden Machtspiele. Das Sample ermöglicht eine Art Dialog, die das Stück um einiges komplexer macht als die Ursprungsversion. Und natürlich vernachlässigt Left Boy bei aller Romantik nicht die Sprachspielerei und Regelpoetik des Rap, so dass der ganze Song von Videospielzitaten nur so wimmelt. Bei jedem Hören kann man also etwas neues entdecken und sich eventuell sogar in Left Boy verlieben.

 

PS: Der Titel ist natürlich ein Zitat aus Sidos Liebe. Den Song finde ich aber wirklich nervtötend, er kann deshalb nicht guten Gewissens in die Liste. Sido ist natürlich trotzdem cool – nur damit wir uns da nicht falsch verstehen. Und er hat das mit den Homosexuellen, die sich in Rapvideos küssen, entgegen allgemeiner Annahme schon vor der Antilopen Gang gemacht. Deren Verliebt ist aber trotzdem der bessere Song. Die Antilopen sind natürlich auch cool.

 

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